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In
einem spannenden Bericht schildert die Autorin das Entstehen der ersten
kommerziellen Kunstgalerie für das Medium Fotografie in Europa
1969: Photography into art. Die Liste der in den Jahren 1970 bis 1978
vorgestellten Künstler liest sich heute wie ein Auszug aus dem
Who's who des Mediums im 19. und 20. Jahrhundert. Julia Margaret Cameron,
Eugene Atget, die Bauhausmeister herbert bayer und Laszlo Moholy-Nagy,
Edward Steichen und Alfred Stieglitz, Man Ray (Dada New York), Paul
Strand, Edward Weston, Edward S. Curtis, Heinrich Kühn, Alphonse
M. Mucha, Les Krims, Duane Michals...
Anna Auer (1937) studierte gemeinsam mit
Thomas Bernhard, Karl Mehrkatz, Sieghart Rupp u.a. an der Hochschule
für Musik und Darstellende Kunst "Mozarteum" in Salzburg.
Nach Auslandsaufenthalten in Frankreich und in den U.$.A. gründete
sie gemeinsam mit Werner Mraz in Anlehnung an die Künstlergruppe
"Die Brücke" die Galerie, deren ursprünglicher Sitz
"An der Hohen Brücke" in Wien sein sollte. Bereits in
der Gründungsphase konnte das Domizil in die Bäckerstrasse
in historisch interessante Räumlichkeiten verlegt werden, wenige
Gehminunten vom Stephansdom entfernt. Gemeinsam mit der Sammlung Fotografis
Länderbank (jetzt mit der Bank Austria fusioniert, damaliger Mentor
Direktor Ivo Stanek) wurden sechs Symposien zu einer visuellen Kulturgeschichte
veranstaltet mit internationalen Gästen: Beaumont Newhall (Museum
of Modern Art, New York, University of New Mexico), Weston J. Naef (Metropolitan
of Arts, New York), Frank van Deren Coke (San Francisco Museum of Arts),
Villem Flusser (international angesehener kritischer und geistreicher
Medientheoretiker), Peter Baum (Museum der Stadt Linz), Fred Forrest
(Videoaktionist), Bazon Brock, Otto Breicha u.v.a.
Beteiligung an den internationalen Kunstmessen: Köln, Düsseldorf,
Basler ART, Mailand, Paris. Zahlreiche der in der Galerie Die
Brücke gezeigten Arbeiten, befinden sich heute in privaten wie
internationalen Sammlungen (Bibliothèque nationale, Paris, San
Francisco Museum of Art, Albertina Wien, Neue Sammlung München,
Museum des 20. Jahrhunderts Wien, Sam-Wagstaff- Collection ...).
Das mit Unterstützung des Bundeskanzleramtes 1999 publizierte Buch
ist inzwischen vergriffen.
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FOTOGRAFIS
collection reloaded |
Die Gründung der Sammlung FOTOGRAFIS 1976 ist untrennbar mit drei
Namen verbunden: Anna Auer und Werner Mraz, die ab 1970 die Wiener Galerie
»Die Brücke« – Europas erste kommerzielle Fotogalerie
– führten, sowie Ivo Stanek, dem damaligen Leiter der Kunstsammlung
der ehemaligen Österreichischen Länderbank (heute Bank Austria).
Im Laufe von 10 Jahren entstand so eine hervorragende Foto-Sammlung,
die den Fotografie-Diskurs in Europa maßgeblich beeinflusste.
Die Ausstellung präsentiert 270 Highlights der Sammlung FOTOGRAFIS:
Nach über zwei Jahrzehnten – die letzte FOTOGRAFIS-Ausstellung
fand im Jahr 1986 statt – kehrt die internationale Fotografie
in die Ausstellungsräume an der Freyung zurück. Die Bank Austria
besitzt mit der 1976 gegründeten Sammlung FOTOGRAFIS eine der frühesten
und herausragendsten Foto-Kollektionen in Europa. Die Ausstellung FOTOGRAFIS
collection reloaded setzt sich die Aktualisierung fotohistorischer Positionen
zum Ziel: Stil-Strategien des Piktorialismus und der Neuen Sachlichkeit
von einst werden rezenten Arbeiten, die als Leihgaben die Ausstellung
ergänzen, gegenübergestellt. Alfred Stieglitz etwa tritt in
Dialog mit Andreas Gursky, Albert Renger-Patzsch mit Candida Höfer
und James Welling.
Von William Henry Fox-Talbot, dem »Erfinder der Fotografie«,
David Octavius Hill und Robert Adamson stammen die frühesten in
der Sammlung vertretenen Fotografien aus den 1840er Jahren. »Ich
kenne wenig Dinge im Bereich der Wissenschaft, welche mehr in Erstaunen
setzen, als das allmähliche Erscheinen des Bildes auf dem weißen
Blatte«, schreibt Fox-Talbot 1841 und bringt die Aufbruchstimmung,
die die Anfänge des neuen Mediums durchatmet, auf den Punkt. Reisefotografien
von Francis Frith und Maxime du Camp sowie die Chronofotografie von
Eadweard Muybridge nehmen einen prominenten Platz innerhalb der FOTOGRAFIS
ein. Als die Fotografen um 1900 malerische Effekte in der Manier des
Impressionismus einsetzen, findet eine Annäherung der beiden Medien
statt: Julia Margaret Cameron, Edward Steichen und Heinrich Kühn
repräsentieren den Piktorialismus innerhalb er Sammlung FOTOGRAFIS.
Paul Strand und Edward Weston leiten in den 1920er Jahren unter dem
Begriff »Straight Photography« ein neues Kapitel der Kunstfotografie
ein, der Eigenwert der Fotografie steht nun im Mittelpunkt: Die präzise
Aufnahme der Wirklichkeit im gestochen scharfen Hell-Dunkel. Zeitgleich
erweitern die Avantgardekünstler, besonders die Dadaisten und Konstruktivisten,
die Möglichkeiten der Fotografie radikal: Arbeiten von Man Ray,
Alexander Rodtschenko, Raoul Hausmann und László Moholy-Nagy
sind Glanzpunkte der Ausstellung. Reportage- und sozialdokumentarische
Aufnahmen von Weegee bis Diane Arbus spielen eine eminente Rolle in
der Fotogeschichte des 20. Jahrhunderts. Zeitgenössische österreichische
Positionen, etwa von VALIE EXPORT und Arnulf Rainer, runden das Sammlungsprofil
ab. (Mag. Lisa Kreil, Kuratorin)
Die Ausstellung wird ab 8. Dezember 2008 im Nationalmuseum
Prag (narodni muzeum praha) gezeigt und danach als Dauerleihgabe im
Musuem für Moderne Kunst in Salzburg installiert.
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| Foto-Schüsse
unterm
Eiffelturm
Die
Fotosammlung Jammes
bei Sotheby's Paris
Der
Standard, Kunstmarkt, 2. Februar 2002 |
Als im Oktober 1999 der erste Teil der Fotosammlung von Marie-Thérèse
und André Jammes bei Sothebys in London versteigert wurde,
galt diese Auktion als Wendepunkt in der Preisgestaltung für Fotografie.
Gustave Le Grays Meeresfoto Die große Welle Sète
(zirka 1855) erzielte den bisher nie mehr erreichten Rekordpreis
von 507.500 Pfund für eine (historische) Fotografie. Nun kündigt
Sotheby's Paris den zweiten und dritten Teil der Fotosammlung des Pariser
Antiquars André Jammes und seiner Frau an, die am 21. und 22.
März stattfinden wird. Die Gesamtschätzung beträgt 7,5
bis 10 Millionen €
Jammes,
der seit 1955 systematisch Fotografie des 19. und 20. Jahrhunderts ankaufte,
zählt zu den bedeutendsten Sammlern der Welt. Der zweite und dritte
Teil seines Auktionsangebotes umfasst insgesamt 559 Lose an historischer
Fotografie, darunter die Pioniere. Das historisch bedeutendste Los ist
die erste Heliogravüre von Nicephore Niépce, die - dank
der beigelegten Briefe die Datierung von 1825 (!) zulässt. Niepce
reproduzierte mit Hilfe des Sonnenlichtes einen Kupferstich des 17.
Jahrhunderts, der ein Pferd mit Stallknecht darstellt. Das kleinformatige,
sehr blasse Blatt und die 48 beigelegten Briefe sind mit 500.000 bis
750.000 Euro taxiert. In der ersten Jammes-Fotoauktion brachte ein Heliogravüre
Abzug von Niepce (das Porträt eines Kardinals aus dem Jahre 1826,
das aber erst 1862 von der Originalplatte abgezogen wurde) 25.300 Pfund.
Weitere Highlights sind etwa Fotos von Victor Regnault (dem damaligen
Direktor der Porzellanmanufaktur Sèvres), der die an der Seine
im Westen von Paris gelegenen Fabriksgebäude sehr stimmig aufnahm.
Die Taxen bewegen sich hier zwischen 3000 und 75.000 Euro. Ein Album
(Format Folio) von Charles Marville mit 67 Fotostudien des alten Universitätsviertels
um die Pariser Sorbonne bis zur Kirche Sainte-Geneviève ist auf
375.000 bis 525.000 Euro angesetzt. 1999 wurde ein anderes Marville-Album,
mit 33 Fotos vom Wald von Boulogne, für 80.700 Pfund zugeschlagen.
Auch Gustave
LeGray ist mit Meeresfotos und seinen berühmten Studien aus dem
Wald von Fontainebleau vertreten. Nadars Porträtfoto von Gustave
Doré ist auf 37.500 bis 52.000 Euro taxiert, was seinem Londoner
Zuschlag von 1999 genau entspricht. Der dritte (und wahrscheinlich nicht
der letzte) Teil der Jammes-Auktion, 291 Lose umfassend, beginnt ein
22.3. mit dem Archiv von Charles Nègre (1820-80), das Jammes
laut Sotheby's-Fotospezialisten Philippe Garner direkt
von den Nègre-Erben erwarb.
Die
Jammes-Sammlung bietet auch Auserlesenes aus der Moderne der Fotografie,
darunter viele Fotos von Germaine Krull, z.B. ihre Studien des Eiffelturms.
André Jammes kaufte immer wieder Porträts von Laure Albin-Guillot,
die in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts sämtliche
literarische und künstlerische Grössen fotografierte. Ob sich
die Preisvorstellungen von Sothebys, die sich an der ersten JammesAuktion
orientieren, als realistisch erweisen? Ende 1999 wurde laut eindringlichem
Gerücht die Hälfte der Lose von einem Regierungsmitglied
des Emirates Qatar, Saud Al Thani, am Telefon erworben. Offensichtlich
rechnet Sotheby's damit, dass sich die historische Fotografie auch in
Paris preislich so spektakulär behaupten kann.
Olga Grimm-Weissert aus Paris |