Warum ist Software so teuer?

Zitiert nach einem der erfolgreichsten Artikel von Tom DeMarco, aus IEEE Software, März 1993.

Wenn wir uns Tiraden über die Software-Kosten anhören müssen, kommen uns insgeheim die Wunder in den Sinn, die Software erst ermöglicht hat.  Ehrlich: Hängen wir nicht alle hin und wieder dem nicht korrekten Gedanken nach: Vielleicht sollte es nicht zu billig sein, die Welt zu verändern ... ?

Mangels sinnvoller Standards beruht die Software-Industrie zunächst auf Mythen.  Ich schlage vor, dass wir uns mit der Frage befassen: „Warum ist Software so teuer?

Mythen und Märchen

Autor und Berater Jerry Weinberg behauptet, in seiner Karriere die Frage „Why does Software cost so much?“ öfter gehört zu haben als jede andere.  Seiner Ansicht nach lautet die korrekte Antwort darauf: „Verglichen womit?“.  Nicht ohne Logik!  Es gibt keine solide Vergleichsgrundlage.  Aber die Antwort von Jerry bringt uns nicht weiter, so sympathisch sie auch klingen mag.  Bestenfalls verärgert sie den Frager.  Es gibt keine Antwort (meist Ihrem Chef oder dem Anwender gegenüber), die zufriedenstellend wäre.

Warum ist Software so teuer?“ ist eigentlich keine Frage, sondern die Behauptung, dass Software zu kostspielig ist.  „Was ich schon immer wissen wollte – wie kommt es eigentlich, dass Software so teuer ist“.  In Wahrheit geht es also darum, Verhandlungspositionen abzustecken.

Lassen Sie uns zur Abwechslung einmal den Spiess umdrehen.  Fragen wir diejenigen, die meinen, sich beklagen zu müssen, dass die Software-Gemeinde Erwartungen enttäuscht: Was zum Teufel berechtigt sie eigentlich zu diesen Erwartungen?

Warum ist Software so teuer?“ ist  eine als Frage verbrämte Behauptung.  Die Behauptung, Software sei zu teuer, stammt aus der Trickkiste der Kostenreduzierung.  Der Refrain, Software-Entwickler seien nicht produktiv genug, hat doch nur einen Zweck: Software-Entwickler zu bewegen, härter zu arbeiten.  Es ist ein Druckmittel, das zu funktionieren scheint, denn Software-Entwickler sind aufrichtig und professionell und ein wenig blauäugig.

Nur leider wird unsere Branche zu sehr unter Druck gesetzt.  Denn Software-Entwicklung ist zeitlich nicht beliebig komprimierbar.

Die Moral von der Geschichte

Wer die falsche Frage stellt, bekommt niemals die richtige Antwort.  Statt zu fragen: „Warum ist Software so teuer?“, müssen wir erst fragen: „Wie haben wir es geschafft, dass Software heute so preiswert ist?“ Die Antwort auf diese Frage wird uns helfen, das aussergewöhnlich hohe Leistungsniveau zu halten, das die Softwareindustrie ausgezeichnet hat. q

Das Buch mit dem Titel Warum ist Software so teuer? als Sammelband von Essays im wesentlichen von Tom DeMarco, ist im Hanser Verlag erschienen.  Tom DeMarco, Ed Yourdan und J. Rumbaugh sind Wegbereiter moderner objektorientierter Programmiermethoden und allesamt als Konsulenten international tätig.  Werner Mraz hat u.a. 1994 Seminare bei Ed besucht.  Natürlich fliessen seine wertvollen Erkenntnisse auch in die Qualität der Produkte des Software-Teams um Vienna*Star ein. Die Werke dieser Autoren sind nach wie vor Standard der Software-Entwicklung.  Ein weiteres kritisches Buch von Edward Yourdan: Decline and Fall of the American Programmer ist nun auch auf Deutsch erhältlich.

Ein weiteres Buch, das wir jedem Software-Designer wärmstens empfehlen möchten (a MUST for every software engineer): "The Inmates are Running the Asylum" von Alan Cooper.